100 Jahre Sterchi-Beck

Text Michael Frei, historiker.online

Pioniertaten

Was würden wohl Johann und Frieda Sterchi-Grossenbacher heute dazu sagen, dass sie der Beginn einer 100-jährigen Erfolgsgeschichte waren? Aus dem Emmental stammend, lernen beide ursprünglich Koch. Die Arbeit bringt sie nach Bern, wo sie schliesslich ihre Bestimmung finden: 1926 übernehmen Johann und Frieda die Bethlehem-Bäckerei an der Bümplizstrasse 11.

 

Bäckerei bedeutet damals: Ein moderner Holzofen, bei dem aufs Mal zwei Brote gebacken werden können. Das Brot wird im Laden abgegeben, aber bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch noch zur Kundschaft ausgetragen und auf der Strasse verkauft. 1926-1951, ein Vierteljahrhundert lang führen die Emmentaler Johann und Frieda, bald unterstützt durch Sohn Hans, so ihre Bäckerei durch bewegte Zeiten und werden zur festen Grösse in Bern-Bethlehem. 

Johann Sterchi (Mitte)
Johann Sterchi (Mitte)
Frieda Sterchi mit Hans
Frieda Sterchi mit Hans
Eintritt in den Verband
Eintritt in den Verband

Alter Standort Bümplizstrasse 11
Alter Standort Bümplizstrasse 11
Hans Sterchi (Mitte)
Hans Sterchi (Mitte)
Der 1. Laden
Der 1. Laden
Der 1. Backofen
Der 1. Backofen

Ein Blick lohnt sich: die Schaufenster des Sterchi Becks

Wer kennt es nicht: Man läuft beim Beck vorbei, wirf einen Blick ins Schaufenster oder in die Auslage und bekommt «Gluscht». Schaufenster sind für den Sterchi Beck schon immer Visitenkarte und Eingangstor zugleich. Hier kann man überzeugen, sich vom Grossverteiler abheben und mit saisonalen oder neuen Spezialitäten auf sich aufmerksam machen. 

Bümplizstrasse 1966 (Frieda Sterchi mit Barbara)
Bümplizstrasse 1966 (Frieda Sterchi mit Barbara)
Schaufenster Länggasse 1991
Schaufenster Länggasse 1991

Weissenbühl 2010
Weissenbühl 2010
Weissenbühl 2026
Weissenbühl 2026

Die Vision

Bald ist klar, der neue Chef mag nicht mehr nur kleine Brötchen backen. Als stolzer Bäckersmeister ist Hans Sterchi zurecht von seinen Waren überzeugt. Seine Vision: Der Sterchi Beck soll wachsen, mehr und besseres Brot herstellen und möglichst viele Menschen mit seinen Produkten versorgen, am liebsten die ganze Stadt! Dafür verlangt er von sich, seiner Familie und seinen Mitarbeitenden viel ab. An seiner Seite, die nicht minder stolze und arbeitsame Bäckersfrau Lotty Sterchi-Bohren. Während Hans die Backstube unter sich hat, ist sie Chefin über das Büro und den Verkauf.

 

Die harte Arbeit zahlt sich aus: 1966 wird das neue Stammhaus an der Bethlehemstrasse 2 eröffnet. Die Medien und Fachjournale loben den modernen Betrieb als Vorbild für die Branche. Nach und nach werden weitere Filialen eröffnet. Oftmals finden die Vorbetriebe keine Nachfolger und sind froh, lebt das Geschäft weiter. Durch die neuen Standorte können Hans und Lotty Sterchi ihre Backstube in Bethlehem besser auslasten und das Sortiment stetig erweitern. 

ab 1966: Hauptfiliale Bethlehemstrasse 2
ab 1966: Hauptfiliale Bethlehemstrasse 2

Hans Sterchi
Hans Sterchi
Lotty Sterchi-Bohren
Lotty Sterchi-Bohren
Präsentation der neuen Backstube
Präsentation der neuen Backstube

Von Bethlehem aus in die Quartiere

Seit 100 Jahren ist der Sterchi Beck mit Bethlehem verwurzelt. Durch die nach und nach erfolgte Übernahme von weiteren Filialen sind wir daneben seit Jahrzenten auch in anderen Quartieren vertreten. 6 Filialen in 6 Quartieren, über 50 Mitarbeitende und alle verbunden durch die täglichen Lieferungen aus unserer Backstube in der Hauptfiliale.


Bremgarten 1986
Bremgarten 1986
Länggasse 1986
Länggasse 1986
Bethlehem 1986
Bethlehem 1986
Bümpliz 1986
Bümpliz 1986

Erhalten und optimieren

Auch wenn der Sterchi Beck zu Beginn der 1980er Jahre auf eine solide Produktion und ein gut funktionierendes Filialnetz zurückgreifen kann, ist ein Innehalten in den folgenden Jahren kaum möglich. Das Aufkommen von Tankstellenshops, die grossflächige Ausbreitung der Grossverteiler in den Quartieren und nicht zuletzt das sich immer wieder ändernde Ess- und Kaufverhalten der Bevölkerung zwingen auch den Sterchi Beck dazu, immer am Ball zu bleiben.

 

Diese nicht einfachen Zeiten bewältigen Matthias Sterchi und seine Schwester Barbara zusammen mit deren Ehemann Thomas Kaiser, in dem sie an zwei Grundmaximen festhalten: an der Qualität der eigenen Produkte und an der Einstellung, offen zu sein, für Neues! Damit gelingt es, die schnell gewachsene Bäckerei zu konsolidieren und im Markt sicher zu platzieren. Als Barbara und Thomas Kaiser-Sterchi die Bäckerei später zu zweit ins neue Jahrtausend führen, hat der Sterchi Beck seinen heutigen Charakter als qualitativ hochwertiger Quartiersbeck mit einem grossen Sortiment gefunden. 

3 Generationen (von links: Adrian, Barbara, Lotty, Thomas, Hans, Matthias / vorne: Evelyn, Jeannine)
3 Generationen (von links: Adrian, Barbara, Lotty, Thomas, Hans, Matthias / vorne: Evelyn, Jeannine)

Unser Sortiment im Wandel der Zeit

Mit dem Kauf- und Ernährungsverhalten der Kundschaft hat sich auch unser Sortiment über die Jahrzehnte hinweg immer wieder angepasst. Zu Zeiten von Johann und Frieda steht klar noch der Kauf von grossen Broten für Zuhause im Zentrum; die Anzahl Sorten ist überschaubar. Heute bieten wir täglich ein grosses Sortiment von über 15 verschiedenen Broten an, dazu kleinere Backwaren und Süssigkeiten, kalte und warme Snacks, daneben hausgemachte Patisserie und Torten.

Produkte, die für uns heute selbstverständlich sind, mussten zuerst erfunden und ausprobiert werden. Haben Sie zum Beispiel gewusst, dass die Dreikönigskuchen in der Schweiz um 1950 aufkommen? Oder dass unsere Seniorchefin Barbara damals Ende der 70er Jahre eine Neuheit namens «Belegte Brötchen» im Sterchi Beck einführt?

 

Während einige Trends nach und nach wieder verschwunden sind, sind unsere Klassiker seit Jahrzehnten beliebt: Wer von Sterchi spricht, spricht auch von Nussgipfeln, den Igeli aus dem Bremgartenwald und natürlich von unseren Lebkuchen. Egal ob Klassiker oder Neuheit, unserem Bewusstsein für Qualitätsprodukte bleiben wir auch nach 100 Jahren treu!

Die 4. Generation hilft mit (Jeannine, Adrian, Evelyn mit Vater Thomas Kaiser)
Die 4. Generation hilft mit (Jeannine, Adrian, Evelyn mit Vater Thomas Kaiser)

Tradition bewahren, Zukunft gestalten

Ab 2009 steigt mit Adrian Kaiser und später seinen beiden Schwestern Evelyn und Jeannine Kaiser die vierte Generation schrittweise mit ins Geschäft ein. Kein harter Bruch, sondern ein sanfter Übergabeprozess, bei dem erprobte Praktiken und neue Ideen einher gehen. Denn davon hat die vierte Generation viele: in der Backstube, im Marketing und im Laden selbst. Digitalisierung trifft auf Handwerkskunst, Social Media auf Backtradition, Innovation auf Kundenfreundlichkeit. Die Geschwister haben alle einen unterschiedlichen Background: Bäckerhandwerk, Marketing und Finanzen; alles Themen, die im Sterchi Beck der Gegenwart und Zukunft gefragt sind.

 

Mehrere Filialen werden nach und nach modernisiert. Im Jubiläumsjahr wird das Flaggschiff, das Hauptgeschäft in Bethlehem, saniert. Ein Schritt in die Zukunft, der aber auch zugleich ein Beweis des eigenen Qualitätsanspruchs und ein Versprechen an das Quartier und der Kundschaft gegenüber ist. 

Gemeinsam in die Zukunft (Evelyn, Jeannine, Adrian, Barbara und Thomas Kaiser)
Gemeinsam in die Zukunft (Evelyn, Jeannine, Adrian, Barbara und Thomas Kaiser)